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MY REPORT

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Norbert Knape
Wiesenstr. 48
49744 Geeste
Germany


Rock oder acoustic

- das ist in Assen beim Takeroot-Festival seit 98 die Frage.

Auf 2 großen Bühnen und einer kleineren (Heineken-Stage) kann man zwischen 16 Uhr und Mitternacht wählen. Die meisten Besucher entscheiden sich für die Main Stages, ich dagegen.

AdAssen liegt im Nordwesten der Niederlande und das Konzert findet im dortigen Rekreatiecentrum "De Smelt" statt. Der Chlorgeruch des Schwimmbads stört nur am Eingang, der Mangel an Toiletten jedoch stärker im Verlauf des Abends. Aber das ist auch der einzige Kritikpunkt am Veranstaltungsort. Johan Kleine und seine Mitarbeiter stellen eine gute Auswahl zusammen und haben in der Regel auch Technik und Zeitplan im Griff. Nach dem 11. Sept. beschlich manchen die leise Ahnung, die Amis, die den Großteil der Musiker ausmachen, könnten aus patriotischen oder anderen Gründen absagen. Glücklicherweise cancellten nur Howe Gelb (bereits früher) und die Continental Drifters. Wobei das "glücklicherweise" sich nicht auf die Bands bezieht. Man konnte wohl eher froh sein, dass der Rest kam.
Wie gesagt, hatte ich ich im wesentlichen bereits vorher für die kleine Bühne entschieden. Dort eröffnete Iain Matthews mit Ad Vanderveen. Zusammen mit einem anderen Holländer bilden diese das Trio und den Recording Act More songs to sing order so ähnlich. Ich kannte Ad Vanderveen, hab Iain Matthews noch nie gesehen (auch nicht ohne das zweite i), aber der Holländer war der Virtuose im Team. Sie begleiteten sich gegenseitig bei ihren jeweiligen Songs, wobei AV die elektrische handhabte (eine patriotische, weil orange, wie er meinte). Matthews spielte einige Songs von Plainsong und anderes, was ich nicht kannte, Vanderveen sang seine stark von Neil Young beeinflussten Eigenkompositionen. Nicht nur musikalisch, auch textlich bewegte man sich hart am Rande der 60s entlang. Neben Al Perkins war Ad Vanderveen eindeutig der Gitarrenstar des Tages.

BlueWeil ich kein Dogmatiker bin und weil ich die Band mag, ging ich rüber zur Big-Rock-Arena und zu Blue Mountain. Ich hatte vor dem Konzert schon mit Cary Hudson geredet und erfahren, dass er mit seiner neuen Band (demnächst auch umbenannt, aber mit den gleichen Leuten wie in Assen) bereits für ein neues Album geschrieben, geübt und auch aufgenommen hat, soll im März/April erscheinen. Nachdem er mir von der 3. Led Zeppelin-Album (dem mit Sandy Denny), Fairport Convention und Pentangle vorgeschwärmt hatte, war ich doch überrascht, als bei dem Konzert nur ein alter Titel (Jimmy Carter) zu hören war. Die englischen Folkeinflüsse waren nicht mehr zu erkennen, stattdessen eine leichte Hinwendung zu Blues und Boogie und zum (quel surprise) Gospel.
Ich weiß nicht, ob Hudson religiös (geworden) ist, aber die beiden Abschlusssongs, in denen er einen gewissen Lord pries, klangen recht überzeugend. Insgesamt waren die Songs etwas kompakter als zum Beispiel das live manchmal ausufernde Shady Grove. Und wenn ich auch keine Angst vor einer Pleite gehabt hatte, so war mir doch etwas mulmig gewesen vor dem Konzert: Ende der Band, Ende der Ehe, keine Laurie Stirrat mehr, erste und Farewell-Tour in einem, da kann man schon mal denken, das wird jetzt ein Schwanengesang. Iss nich! Ich denke, Blue Mountain wird unter anderem Namen weiter rocken und das beste tun, was man machen kann: Roots nicht vergessen und nach vorn schauen. In diesem Sinne: bewahr das kulturelle Erbe.


Scheiße zieht Fliegen an, gute Musik nicht immer das große Publikum, so war es für mich schon mehr als bedauerlich, als nach dem spärlich besuchten Konzert von Blue Mountain sich der Saal füllte, weil die Holländer anscheinend gewaltig auf Mary Gauthier stehen. Vielleicht erwarten sie nicht mehr so viel von Steve Earle und freuen sich deshalb über die weibliche Variante. Ich hab nix gegen sie, finde sie aber ein wenig zu stark von ihrer Haltung getragen. This world sucks, that's why I drink. Mary Gauthier spielte ohne Band, was gut war, denn diese besaß vor einem Jahr beim Blue Highways Festival in Utrecht nur Mittelmaß. So ging ich denn lieber zur musikalischen Qualität, die fand ich bei Kristi Rose und Fats Kaplin.

Nach dem Konzert erzählten sie mir, dass sie es oft erleben, dass sie in recht merkwürdigen Alternative-Rock-Clubs spielen, dass die Leute am Anfang verdutzt sind und sich fragen, was das denn für Musik sei, am Ende sei der Saal aber meistens voller als am Anfang. So auch in Assen: wer kam, der blieb. Fats Kaplin ist das, was man gemeinhin einen Multi-Instrumentalisten nennt - erinnert sich noch jemand an Gunter Hampel, der ließ sich sogar so ankündigen. Bei Takeroot beschränkte er (Kaplin) sich auf Gitarre und Fiddle, Akkordeon, Steelguitar und diverse andere Instrumente fehlten. "They call me to play weird instruments", sagte er zur letzten Brooks-Dunn-Aufnahme, wobei er mit weird das Akkordeon meinte. Nashville ist arm dran! Kaplin war langjähriges Mitglied der Tom Russell-Band (8 Jahre), tourte anderthalb Jahre mit Manhattan Transfer und verdient sein Geld offensichtlich nicht durch sein Image, sondern seine Fähigkeiten. Im Anschluss an eine Tour wird er (neben Al Perkins, Kevin Montgomery und anderen) an der Kopenhagener Uni lehren. Kristi Rose ist Fats Kaplins Frau und wenn sie voin der Tobacco Road singt, dann nölt sie nicht (wie Mary Gauthier) sondern sie schreit. Die Frau hat Stimme und auf meine Frage, ob sie das wirklich immer als Vorteil ansehe, sagt sie, es sei zumindest eine Gabe und sie singe wie andere laufen, man kann's halt. Zwischen Flamenco (Johnny Guitar), Mountain Ballad (Wind and Rain) und Countrypolitain (Ode to Billy Joe) stehen die Eigenkompositionen gleichberechtigt. Mehr Liza Minelli und Wanda Jackson als Emmylou Harris will sie nicht (strumm-strumm) Songs abspulen, sondern Show liefern. Erfreulicherweise sind die Holländer ein tolerantes Völkchen und lassen sich von dieser Nash-Vegas-Musik begeistern (sie nennt's Pulp Country, um den Fragen nach ihrer Musik eine Antwort geben zu können). Sie tritt auf ihrer anschließenden Tour sowohl im Duo als auch mit Band auf und wenn man die Wahl hat, sollte man beide Konzerte besuchen.

Ich hab nix gegen Songwriter, auch Mary Gauthier finde ich nicht schlecht, aber am schönsten ist's, wenn diese Leute das gewisse Alter haben, wenn ihre Pausen spannender sind als bei anderen die Musik: Ich spreche von Eric Tylor: der für mich beeindruckendsten Erscheinung des Festivals. Ich fand seine CD Scuffletown bereits überzeugend, aber der Liveauftritt war noch mal ne Klasse für sich. Es gibt ja ne Menge blöde Sprüche über Texaner: Jimmy LaFave sagt: Frag einen Menschen nie, woher er kommt. Kommt er aus Texas, wirst du's merken. Kommt er nicht aus Texas, warum sollte man ihn in Verlegenheit bringen. Ich merk nicht ob Taylor aus Texas kommt; wenn er "Going back to Texas" singt, weiß man, für jeden mag's was geben, wohin er gern gehen möchte, wo er selbst sein kann. Seine Songs auf Scuffletown sind zum großen Teil Geschichten von Menschen, die seine oft sarkastische Weltsicht verdeutlichen können. Ein Townes van Zandt-Cover (Nothing) als Abschluss war passend.
JoshSchön ist ja, wenn man positiv überrascht wird. Ich hatte am Tag zuvor eine recht negative Besprechung zu Josh Rouse gelesen, kenne seine Aufnahmen nicht und hatte daher keine übertriebenen Erwartungen, um es freundlich auszudrücken. Der Mann hat Melodien im Kopf, der Mann kann mit seiner Stimme was anfangen und besitzt großartiges musikalisches Gesprür.
Dass er dann noch "Harvest" von Neil Young coverte, machte ihn vollends symphatisch. Das war mehr als Folkgestrummel; die kleine Übung über 'Ain't no sunshine' offenbart eine durchaus auch soulige Tonlage bei Josh Rouse. Die Songs waren nie eintönig, warteten mit kleinen überraschenden Finessen auf und zwischendurch erzählte er auch noch ganz nett: Z. B. wie K. Wagner von Lambchop bei ihm (Josh Rouse) den Fußboden renoviert und er in der Zwischenzeit gemütlich ein lustiges Lied über Ungeziefer in Nashville schreibt (Bugs). Manches war zwar auch (muss wohl so sein) ziemlich suicidal, aber das wurde nie Selbstzweck. Wer ihn noch nie gehört hat, mag sich eine Mischung aus Jeff Tweedy (solo) und Slaid Cleaves) vorstellen.
Josh
Kevin Montgomery and Al PerkinsSowohl in Songauswahl als auch in der Intonation war er seinem Nachfolger im Programm deutlich überlegen. Kevin Montgomery trat mit der Legende Al Perkins auf, einem Mann, der von Eagles über CSN&Y zu Dylan und Emmylou alles begleitet hat, was Rang und Namen hat. Al Perkins spielte Dobro und erklärte in einer vhs-mäßigen Einlage nicht nur das Gerät, sondern stellte auch noch einige Spielweisen (Bluegrass, Blues) beispielhaft vor. Ohne Al Perkins wäre Kevin Montgomery ein wenig öde gewesen, mir geht vor allem die gepresste, nölige Stimme auf den Keks. De Mann kann singen, warum tut er's dann nicht? Die Songs waren ok, hatte aber nicht die Melodien, die wir nun von Josh Rouse gewohnt waren.
Al Perkins  Kevin Montgomery
Ach ja, da fehlt ja noch ne Band: Dakota Suite hab ich auch gesehen: In Beverungen beim OBS fand ich sie interessant, aber nicht meine Tsse Kaffee, deshalb dachte ich, gib ihnen noch ne Chance: Durchgefallen bei mir und bei den weglaufenden Zuschauern. Ich gehörte noch zu den heftigsten Applaudierenden - allerdings aus Mitleid und nicht Überzeugung. Holländer sind tolerant, das Beste, was Dakota Suite passierte, war, dass das Publikum das Ende der Show nicht so ganz mitbekam. Es hätte für sie auch schlimer kommen können. Vielleicht lag's daran, dass sie nur zu zweit auftraten.

Fazit: Es ist natürlich immer schwer, sich bei parallel laufendem Programm für und damit auch gegen bestimmte Künstler zu stellen. Insgesamt hat sich das takeroot-Festival zu einer Institution entwickelt, die es schafft, ne menge US-Artisten an einem Punkt zu versammeln, die professionell organisiert ist (kleinere Probleme wie durchgebrannte Verstärker, ohnmächtige Drummer bekam das Publikum gar nicht mit). Höchst bedauerlich ist der Ausfall der Continental Drifters-Tour, die sicherlich neben Blue Mountain und Eric Taylor ein weiteres Highlight gewesen wären.

Zum Schluss noch einige Fotos vom Take Root Festival 2000:
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